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Kavallerie
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Als Kavallerie oder Reiterei bezeichnet man eine in der Regel zu Pferd kĂ€mpfende Waffengattung der LandstreitkrĂ€fte. Im 20. Jahrhundert wurden KavallerieverbĂ€nde meist aufgelöst oder in gepanzerte Truppen umgewandelt, behielten aber hĂ€ufig aus TraditionsgrĂŒnden ihre hergebrachten Verbandsnamen. Berittene Truppenteile werden heute meist nur noch zu ReprĂ€sentationszwecken eingesetzt.

Contents

‱ Geschichte
‱ Gliederung
‱ Deutschland
‱ Russland
‱ Schweiz
‱ USA
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Etymologie und Begrifflichkeit

Das Wort „Kavallerie“ wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts dem gleichbedeutenden französischen Wort cavalerie entlehnt, das wiederum auf das gleichbedeutende italienische cavalleria zurĂŒckgeht. Das Wort ist wiederum eine Ableitung des italienischen cavaliere (deutsch Reiter), das von cavallo bzw. caballus (italienisch/lateinisch fĂŒr ‚Pferd‘) abgeleitet ist. Ein erster schriftlicher Beleg auf Deutsch wird auf das Jahr 1569 datiert.cite-ref-1[1]

Aufgrund der etymologischen Herleitung werden ĂŒblicherweise nur mit Pferden berittene Truppen als „Kavallerie“ bezeichnet, auch wenn in WĂŒstenregionen zuweilen auch Kamele als militĂ€rische Reittiere eingesetzt wurden. Kriegselefanten werden nicht als Teil der Kavallerie betrachtet, ebenso wenig einzelne berittene Offiziere anderer Waffengattungen oder zu Reitzwecken verwendete Tragetiere.

Geschichte

Die Kavallerie war neben der Infanterie die wichtigste, bisweilen sogar stĂ€rkste militĂ€rische Truppengattung wĂ€hrend der Antike, des Mittelalters und der Renaissance. WĂ€hrend der KreuzzĂŒge spielte sie eine wichtige Rolle. In der militĂ€rischen Taktik waren berittene Einheiten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Faktor.

Mit ihren VorzĂŒgen – MobilitĂ€t, Schnelligkeit und Durchschlagskraft – stellte die Reiterei eine Erweiterung taktischer Möglichkeiten dar. Wahrscheinlich entstanden die ersten PferderĂŒstungen im antiken Zentralasien. Die an die eurasischen, von Reiternomaden bevölkerten Steppen angrenzenden Hochkulturen mussten sich durch den Aufbau eigener Reiterheere an Waffentechnik und Kriegstaktik der Nomadenvölker angleichen. Zuerst erfolgte diese Verreiterung wohl in China.

In Persien, in Osteuropa und Byzanz wurden Reiter und Schlachtrosse schon ab der SpĂ€tantike mit einem Überwurf aus Schuppen- oder spĂ€ter Kettengeflecht geschĂŒtzt. Zur AusrĂŒstung der Reiter gehörten der Metallhelm, die Stoßlanze, das lange Reiterschwert, Pfeil und Bogen und (seit dem 6. Jahrhundert bei den Awaren) der SteigbĂŒgel. Im FrĂ€nkischen Reich stand die Entstehung des naturalwirtschaftlich fundierten Lehnswesens in engem Zusammenhang mit der Notwendigkeit einer dezentralen Beschaffung von Waffen und Futter durch die Reiterkrieger selbst, mit einer Agrarreform, dem verstĂ€rkten Anbau von Futterpflanzen und dem RĂŒckgang der Bedeutung der Geldwirtschaft.cite-ref-2[2]

Der effektivste Gegner der Kavallerie im Mittelalter waren die Pikeniere, die mit langen Stoßlanzen versuchten, die Pferde zu töten oder den Reiter aufzuspießen. Deshalb schĂŒtzte man Schlachtrösser – ebenso wie den Reiter – in West- und Mitteleuropa seit dem 14. Jahrhundert mit dem so genannten Rossharnisch aus Metallplatten. Allerdings versetzte bereits der Einsatz von Pikenieren und das entsprechende Ergebnis dem Ruf der Kavallerie einen schweren Schlag.

Der Wechsel zu neuen Taktiken verhalf der Kavallerie bis zur napoleonischen Ära erneut zu einer dominierenden Rolle auf dem Schlachtfeld. Die stĂ€ndige Verbesserung der Feuerwaffen im Lauf des 19. Jahrhunderts war dann der wichtigste Faktor fĂŒr den Niedergang der Kavallerie und deutete sich im Krimkrieg, amerikanischen BĂŒrgerkrieg und im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 an, die EinfĂŒhrung des rauchlosen Pulvers und des Maschinengewehrs am Ende des Jahrhunderts fĂŒhrte vollends im Ersten Weltkrieg auf das Ende der traditionellen Schlachtenkavallerie hin.

SpĂ€testens im Ersten Weltkrieg wurde dies auch den letzten konservativen TruppenfĂŒhrern bewusst, als bereits zu Beginn an der Westfront Kavallerieattacken gegen das Feuer der Infanterie nicht mehr durchdrangen, oder Teilerfolge in keinem VerhĂ€ltnis mehr zu den dabei erlittenen Verlusten standen (vgl.: Gefecht bei Lagarde 1914). Lediglich an der Ostfront konnten Kavallerieeinheiten noch im begrenzten Umfang, vor allem fĂŒr AufklĂ€rungszwecke eingesetzt werden. Die letzte erfolgreiche Attacke eines berittenen Großverbandes wurde am 31. Oktober 1917 unter General Edmund Allenby von der australischen 4th Light Horse Brigade und der britischen 5th Mounted Brigade, beide als Dragoner berittene Infanterie, bei der Eroberung von Be’er Scheva gefĂŒhrt.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges bestanden in den meisten Staaten nur mehr im geringen Umfang berittene Truppen, auch wenn mancherorts noch gepanzerte oder motorisierte VerbĂ€nde aus TraditionsgrĂŒnden die Namen von Kavallerieregimentern fĂŒhrten. Nur in Polen bestand noch ein betrĂ€chtlicher Teil des Heeres tatsĂ€chlich aus Kavallerie, die auch als solche gegen die deutschen Invasoren eingesetzt wurde. Angriffe auf deren Infanterie waren zuweilen durchaus erfolgreich, Ă€nderten aber nichts am Verlauf des Krieges. Die Behauptung, dass polnische Kavallerie deutsche Panzer angriff, weil sie die Fahrzeuge fĂŒr Attrappen hielt, ist allerdings unwahr und entstammt der deutschen Propaganda, die damit die Überlegenheit der deutschen Wehrmacht augenfĂ€llig illustrieren wollte.

In den WestfeldzĂŒgen wurde von keiner der Parteien Reiterei eingesetzt. Deutschland verfĂŒgte zu Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges 1941 ĂŒber eine einzige Kavalleriedivision, die zentral durch die PrypjatsĂŒmpfe vorrĂŒckte. In den Weiten Russlands stellten die AchsenmĂ€chte zur Sicherung des rĂŒckwĂ€rtigen Raumes und offener Flanken jedoch erneut Kavallerietruppenteile auf, die in bewegungsungĂŒnstigen RĂ€umen, insbesondere auf dem Balkan eingesetzt wurde.

Auch heute noch fĂŒhren in einigen Staaten einige Regimenter aus TraditionsgrĂŒnden ihre alten Kavallerie-Bezeichnungen, obwohl sie lĂ€ngst mit modernen Panzerfahrzeugen ausgestattet sind.

Bei der US-Armee wurden ab 1964 fĂŒr den Krieg in Vietnam aus ehemaligen (inzwischen motorisierten) Kavallerie-Regimentern LuftlandeverbĂ€nde mit Hubschraubern aufgestellt; auch hier hielt man an der Bezeichnung Kavallerie fest.

Bei der Bundeswehr untersagt deren Traditionserlass aufgrund des Ausmaßes der Beteiligung der Wehrmacht an den Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur die Pflege von Verbandstraditionen aus vordemokratischer Zeit.cite-ref-3[3] Die HeeresaufklĂ€rungstruppe – zuvor PanzeraufklĂ€rungstruppe – hat allerdings mit der AufklĂ€rung als Hauptaufgabe der leichten Kavallerie die goldgelbe Waffenfarbe der Kavallerie fĂŒr Kragenspiegel und Litzen der Uniformen sowie die Verbandsabzeichen ĂŒbernommen. Die Barettabzeichen der HeeresaufklĂ€rungs- und FernspĂ€htruppe weisen als Symbol zwei stilisierte gekreuzte Lanzen auf.

Kavallerie der Antike und des Mittelalters

Die Unterscheidung zwischen schwerer und leichter Kavallerie richtete sich nach der Panzerung, AusrĂŒstung und Bewaffnung der Reiter sowie Statur der Pferde.

Leichte Kavallerie mit Bogen

Die Hyksos gelten als die Ersten, die das Pferd systematisch fĂŒr Kriegszwecke einsetzten und die Reit- und Streitwagenkultur nach AltĂ€gypten brachten. Wagen und möglicherweise auch Reittiere waren dabei mit BogenschĂŒtzen besetzt. Berittene BogenschĂŒtzen waren eine wirkungsvolle Waffengattung, die Völker verschiedener Epochen und Kontinente unabhĂ€ngig voneinander perfektionierten.

Zu den Àltesten bekannten Bogenreitern gehören die Skythen. Sehr bekannte Reitervölker der Geschichte, die auf Àhnliche Weise kÀmpften, sind Hunnen, Mongolen und Awaren.

Die Reitertruppen des osmanischen Reiches besaßen mit den Sipahis eine spezialisierte Einheit reitender BogenschĂŒtzen.

Jedoch setzten nicht alle Reitervölker diese Kampftaktik ein; so legten die sĂŒdamerikanischen Ureinwohner mit der Übernahme des Pferdes im 16. Jahrhundert den zuvor benutzten Pfeil und Bogen ab und kĂ€mpften danach mit Lanze und Bola.cite-ref-4[4]

AusrĂŒstung

Die leichte Reiterei benutzte kleine, schnelle und wendige Pferde. Die Reiter trugen keine oder nur leichte RĂŒstung. Die klassischen Reitervölker benutzten kurze, starke Bögen von großer Kraft und Reichweite. Die sogenannten Kompositbögen vieler Reitervölker bestehen aus bis zu 16 verleimten Holz- und Horn­teilen. Der Vorteil von Sehnen und Horn besteht in ihrer höheren FĂ€higkeit, Energie zu speichern und auch wieder (an den Pfeil) abzugeben. Die Effizienz eines solchen gut gebauten Kompositbogens mit entsprechender möglicher Formgebung ist höher als die eines konventionellen Bogens aus Holz, der bei gleicher Form sofort brechen wĂŒrde. Mongolische und tĂŒrkische Reiterbögen hatten ein Zuggewicht von durchschnittlich 75 Pfund und schossen speziell abgestimmte leichte Pfeile 500 bis 800 m weit. Diese Kompositbögen waren in Reichweite und Durchschlagskraft dem Langbogen durchaus ebenbĂŒrtig. Mit speziellen „panzerbrechenden“ Pfeilen war es beispielsweise den mongolischen Reitern möglich, auch schwere RĂŒstungen zu durchschlagen.

Taktik

Reiterarmeen konnten feindliche Truppen auf Distanz mit Pfeilen ĂŒberschĂŒtten und mussten sich nie auf NahkĂ€mpfe einlassen. Langsamere Gegner ohne wirkungsvolle Fernwaffen waren oft chancenlos. So vernichteten die Reitertruppen des Partherreiches in der Schlacht bei Carrhae (53 v. Chr.) die Legionen des Crassus. Bei ihrem Einfall nach Zentral- und Westeuropa im 9. und 10. Jahrhundert verbreiteten die Ungarn als berittene BogenschĂŒtzen Angst und Schrecken im gesamten West- und OstfrĂ€nkischen Reich.

Die großen SchwĂ€chen berittener BogenschĂŒtzen waren ihr Platzbedarf und ihre leichte AusrĂŒstung. Wenn sie auf engem Raum zum Nahkampf mit besser gepanzerten Gegnern gezwungen waren, unterlagen sie meist. Außerdem waren sie nicht fĂŒr die Teilnahme an Belagerungen geeignet. Gute Reitertruppen benötigten viel Ausbildung und sehr gute Pferde. Die klassischen Reitervölker wie Hunnen oder Mongolen lebten praktisch auf dem PferderĂŒcken. Eine Kriegslist der tĂŒrkischen und hunnischen „Steppenreiter“ bestand darin, in einem scheinbar chaotischen Frontalangriff auf den Feind zuzugaloppieren. Ohne FeindberĂŒhrung – oder nach kurzem GeplĂ€nkel – machten sie kehrt und ließen den Gegner im Glauben, sie wĂŒrden flĂŒchten oder sich neu formieren. Ließ sich der Feind von dieser List tĂ€uschen, so nahm er die Verfolgung auf, um die Reitertruppe zu zerschlagen. Der ScheinrĂŒckzug der Kavallerie lief nun geplant in der Mitte schneller als an den FlĂŒgeln, so dass der Gegner in der Mitte weiter vordringen konnte und dann in einer halbmondartigen Formation in die Zange genommen wurde. Die geschickten BogenschĂŒtzen konnten dabei in vollem Galopp 180° nach hinten gewendet ihre tödlichen Pfeile schießen. Diese Kriegslist, gepaart mit der Treffsicherheit der leichten Reiterei, zog die Formation der Feinde auseinander und schuf die Voraussetzung fĂŒr einen neuerlichen, meist entscheidenden Angriff auf die sich lichtenden Reihen der Gegner.

Eine andere Kavalleriegattung mit zielsicheren BogenschĂŒtzen waren die osmanisch-tĂŒrkischen Sipahis. Dabei lernten die Sipahis in jahrelanger Übung, genau dann ihre tödlichen Pfeile abzuschießen, wenn alle vier Beine ihres Pferdes in der Luft verharrten, und somit keine ErschĂŒtterung die Zielgenauigkeit beeintrĂ€chtigen konnte.

Die Schlacht von DorylĂ€um im Ersten Kreuzzug veranschaulicht Vor- und Nachteile der berittenen BogenschĂŒtzen: Es gelang den Reiterpulks des seldschukischen Sultans Kılıç Arslan I., ein Heer der Kreuzfahrer einzukreisen und auf Distanz zu beschießen. Die Ritter konnten dem Pfeilhagel wenig entgegensetzen. Plötzlich erschien VerstĂ€rkung unter Gottfried von Bouillon, und die Seldschuken sahen sich ihrerseits eingekreist. Sie konnten nicht mehr fliehen und wurden im Nahkampf vernichtend geschlagen. Die Niederlage der Seldschuken bei DorylĂ€um war so vollstĂ€ndig, dass die Kreuzfahrer praktisch unbehelligt Anatolien durchqueren konnten.

Schwere Kavallerie mit Lanzen

Antike

Die ersten schwer gepanzerten Lanzenreiter waren die Cataphracti und Clibanarii der Sarmaten, Parther, Sassaniden, der spÀten Römer und Byzantiner.

Mittelalter

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Hauptartikel

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Ritter

Im Mittelalter setzte man in West- und Mitteleuropa zuerst im FrĂ€nkischen Reich auf schwere Reiter, es entstanden die sogenannten FrĂ€nkischen Panzerreiter. Zu Beginn des 8. Jahrhunderts kam auch in Europa der SteigbĂŒgel auf, der sich als vorteilhaft fĂŒr die schwere Reiterei erwies. Insbesondere in Verbindung mit einem hohen Sattel ermöglichte er es der schweren Reiterei, im vollen Galopp einen Lanzenstoß auszufĂŒhren, ohne dabei vom Pferd zu fallen. Außerdem erschwerten es SteigbĂŒgel und Sattel dem Fußvolk, einen Reiter vom Pferd zu zerren.

Im Hochmittelalter entwickelte sich in West- und Mitteleuropa die Truppengattung der Ritter. Sie kĂ€mpften mit einer langen Lanze, trugen schwere Ketten- und Plattenpanzerung und ritten auf Schlachtrössern, die speziell fĂŒr den Kampf und das Tragen von hohem Gewicht trainiert wurden.

Taktik

Die Ritter griffen im schnellen Ritt und zum Teil in mehreren Angriffswellen mit der Lanze als PrimĂ€rwaffe an und durchbohrten den Gegner. Die schweren Lanzen wurden nach dem Lanzenangriff fallen gelassen und der Kampf wurde mit den SekundĂ€rwaffen (Schwert, Axt, Streitkolben oder Ă€hnliches) weitergefĂŒhrt. Mit ihren schweren Schlachtrössern wurde gegnerisches Fußvolk niedergeritten. Wurde ein Fußsoldat von einer unter die Achsel eingelegten Ritterlanze aus vollem Galopp getroffen, wurde er meist mit solch einer Wucht weggeschleudert, dass er mehrere seiner HintermĂ€nner umwarf. Zudem war die psychologische Wirkung hunderter gepanzerter Reiter, die in einer Linie in vollem Galopp angriffen, insbesondere gegen undisziplinierte Truppen sehr wirksam. Diese Methode des Angriffs war wirksam, aber hing von vielen Faktoren ab. Folgende Taktiken waren meist effektiv gegen schwere Reiterei:

‱ Fernwaffen: Sowohl der Langbogen als auch die Armbrust konnten den Rittern gefĂ€hrlich werden. Obwohl die schwere, adlige Reiterei des Mittelalters oftmals zu Fuß kĂ€mpfte oder zumindest aussichtslose Frontalangriffe vermied, kam es mehrfach vor, dass Ritterheere einen ihren Kriegeridealen entsprechenden Angriff fĂŒhrten. Die Folgen waren immer verheerend: Bei CrĂ©cy (1346) und Poitiers (1356) erlitten die französischen Ritter schwere Verluste gegen englische LangbogenschĂŒtzen; bei Azincourt (1415) starben ĂŒber 5.000 Ritter im Pfeilhagel.
‱ Stangenwaffen: Die langen Spieße der flĂ€mischen BĂŒrger, der Schotten und Schweizer (Pikeniere) waren eine gute Wahl. Die KĂ€mpfer standen in enger Formation wie die antike Phalanx. Im Kampf gegen die Schotten erwiesen sich die englischen Ritter als ebenso borniert und hochmĂŒtig wie ihre französischen Kollegen. In den Schlachten von Stirling Bridge (1297) und Bannockburn (1314) unterlagen sie gegen die Schotten. Als erste ahmten die unterlegenen EnglĂ€nder diese Taktik erfolgreich gegen die Franzosen nach, von den Schweizern wurde sie perfektioniert. Jetzt war die Formation trotz inzwischen lĂ€nger gewordener Lanzen fĂŒr Ritter fast undurchdringlich. Die mit Piken bewaffneten Pikeniere waren bis zum Ende des DreißigjĂ€hrigen Krieges wichtige Truppen. Als Gegentaktik im Kampf gegen PikentrĂ€ger entwickelte die schwere Reiterei in der frĂŒhen Neuzeit Manöver wie zum Beispiel die Caracolla.
‱ Feldbefestigungen: Um die gegnerische Reiterei zu bremsen, wurden im Feld gelegentlich Hilfsbefestigungen angelegt. Beispiele dafĂŒr sind in den Boden gerammte zugespitzte PfĂ€hle (Schlacht von Azincourt) oder Wagenburgen (Schlacht bei Tachau).
‱ Das Nutzen von GelĂ€ndevorteilen: Lanzenreiter benötigten festen, ebenen Boden und genug Platz fĂŒr ihren Angriff. Ein kluger Gegner vermied die Schlacht auf offenem Feld und stellte sich lieber in sumpfigem, bergigen oder bewaldetem Terrain zum Kampf. Dies taten die Schotten bei Bannockburn und Stirling, ebenso die Flamen bei Kortrijk. Die Schweizer Eidgenossen besiegten die österreichischen Ritter in der Schlacht bei Morgarten (1315), indem sie das Ritterheer an einer engen Stelle zwischen einem Abhang und einem Sumpf angriffen. Die Bauern von Dithmarschen stellten sich im Jahr 1500 bei Hemmingstedt der Armee des dĂ€nischen Königs entgegen. Sie öffneten Deiche und ĂŒberfluteten das Land. War das GelĂ€nde fĂŒr einen Reiterangriff schlecht geeignet, kĂ€mpften englische Ritter oftmals zu Fuß und verwendeten ihre Lanzen dabei wie Piken. Zu Fuß kĂ€mpfende Ritter nannte man in England Men-at-Arms.
‱ GuerillakriegsfĂŒhrung: Ein Feind, der blitzschnell zuschlagen und wieder verschwinden konnte, war fĂŒr schwere Reiter ein ernstes Problem. Es war daher wichtig, immer auch genug leichte Kavallerie zu haben.

Man geht heute davon aus, dass ein Großteil der Ritter in vielen mittelalterlichen Schlachten zu Fuß kĂ€mpfte. Nur bei idealen GelĂ€ndebedingungen und UnterstĂŒtzung durch FernkĂ€mpfer fĂŒhrte man den Angriff auf einem Schlachtross durch. War das gegnerische Fußvolk mit Stangenwaffen ausgerĂŒstet und kĂ€mpfte in dichter Formation, tĂ€uschten die Ritter einen Angriff vor und machten sofort kehrt. Viele Fußsoldaten hielten dies fĂŒr eine Flucht und nahmen die Verfolgung auf, wobei sich ihre Formation auflöste. Die Ritter machten in dieser Situation wieder kehrt und ritten das Fußvolk nieder. Eine solche Taktik kam beispielsweise in der Schlacht von Hastings 1066 zum Einsatz.

Kavallerie der Neuzeit bis 1918

Aufgrund des Aufkommens der Feuerwaffen verlor die Kavallerie ihre Rolle als primĂ€re Offensivwaffengattung an die Infanterie. WĂ€hrend der Napoleonischen Kriege erlebte die Kavallerie jedoch eine vorĂŒbergehende BlĂŒtezeit.

WĂ€hrend Luntenschloßmusketiere anfangs noch durch Pikeniere gegen Kavallerie geschĂŒtzt werden mussten, wurde dies mit der EinfĂŒhrung von Bajonetten ĂŒberflĂŒssig, da sich damit ausgerĂŒstete Infanteristen bei entsprechendem Ausbildungsstand recht effektiv gegen Kavallerie behaupten konnten. Infanterie formierte sich etwa ab dem 17. Jahrhundert bei einem Kavallerieangriff zum Karree, das in alle Richtungen feuern konnte und bei dem meist zwei oder drei Reihen von Soldaten mit Bajonetten SĂ€belhiebe erfolgreich abwehren konnten. Die EffektivitĂ€t einer solchen Formation zeigte sich z. B. in der Schlacht von Waterloo, als fast die gesamte schwere Kavallerie Napoleons mehrere Angriffe auf die im Karree formierte Infanterie Wellingtons ritt, um von diesen weitgehend ohne grĂ¶ĂŸere eigene Verluste zusammengeschossen zu werden. Mit der EinfĂŒhrung von MiniĂ©-Geschossen ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Reichweite und vor allem Zielgenauigkeit von Vorderladern so erhöht, dass Frontalangriffe auf vorbereitete Infanterie zu ausgesprochen verlustreichen Aktionen wurden. Zwar blieben Kavallerieangriffe weiterhin eine Gefahr fĂŒr Infanterieeinheiten, vor allem wenn es die Kavallerie schaffte, ihre Gegner unvorbereitet zu treffen oder diese in Panik zu versetzen. Allerdings wurde es fĂŒr reine Kavallerieangriffe immer schwieriger. SpĂ€testens mit dem Beginn des durch SchĂŒtzengrĂ€ben, Minenfelder und Maschinengewehre bestimmten Stellungskrieges im Ersten Weltkrieg waren Kavallerieangriffe weitestgehend obsolet. Die Rolle der Kavallerie beschrĂ€nkte sich daher meist auf den Einsatz als AufklĂ€rer und als berittene Infanterie.

Im Verlauf der Zeit wurde die Kavallerie zunehmend auch mit Schusswaffen ausgerĂŒstet, allerdings waren die meist kĂŒrzeren Gewehre aufgrund von GrĂ¶ĂŸe- und HandlichkeitsbeschrĂ€nkungen auf dem PferderĂŒcken denen der Infanterie unterlegen, weshalb fĂŒr das berittene Gefecht Blankwaffen stets die Hauptbewaffnung blieben. FĂŒr einen Angriff formierten sich die Reiter meist mehrere Glieder tief, die mit einigem Abstand zueinander auf den Feind losritten und dabei durch Trompetensignale koordiniert langsam ihre Geschwindigkeit erhöhten.

In den stehenden Heeren der Neuzeit hatten sich vier Haupttypen der Kavallerie herausgebildet, wobei es oft Überschneidungen gab:

Ulanen und andere Lanzenreiter

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Hauptartikel

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Ulanen

Die Lanzierer bildeten die Ă€lteste Kavalleriegattung der Neuzeit. Sie waren meist durch einen vollstĂ€ndigen Plattenpanzer oder zumindest durch einen Trabharnisch, der bis zu den Knien reichte, geschĂŒtzt. Ihre Hauptwaffe war die Lanze, doch in der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts gingen sie dazu ĂŒber, auch Radschlosspistolen mit sich zu fĂŒhren. Lanzierer ritten auf schweren Schlachtrössern, die oftmals durch einen Rossharnisch geschĂŒtzt wurden. Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts gingen die Lanzierer in die Truppengattung der KĂŒrassiere auf.

Nach dem Verschwinden der Lanzierer schien die Lanze als militĂ€rische Waffe ausgedient zu haben. Trotzdem wurden im 18. Jahrhundert in mehreren europĂ€ischen Staaten kleine und meist kurzlebige VerbĂ€nde von leichten Lanzenreitern aufgestellt, z. B. in Frankreich die Volontaires de Saxe. Man fĂŒhrt die Entstehung der Ulanen-Einheiten auf die Traditionen der Mongolen und Tataren zurĂŒck, die sich im GroßfĂŒrstentum Litauen, also im spĂ€teren Osten der Polnisch-Litauischen Union ab dem 14. Jahrhundert niederließen. Das Wort „Ulanen“ kommt wahrscheinlich von dem tĂŒrkischen Wort „oglan“ (Bedeutung: junger Mann) oder das Wort „oglan“ kommt aus der mongolischen Sprache und bedeutet in etwa „tapferer Krieger“.

Die ersten auch wirklich so benannten Ulanenregimenter sind im frĂŒhen 18. Jahrhundert in Polen anzutreffen. Dort hatten Lanzenreiter stets den Großteil der Reiterei (Hussaria) ausgemacht, und als nach den Teilungen Polens zahlreiche polnische Freiwillige unter den Fahnen der französischen Republik fĂŒr die Freiheit ihrer Heimat kĂ€mpften, nutzte Frankreich deren traditionelles Geschick im Umgang mit der Lanze, um aus ihren Reihen die ersten französischen Ulanenregimenter (chevau-lĂ©gers lanciers = leichte Lanzenreiter) aufzustellen. Russland und Österreich hatten ihrerseits aus den in den polnischen Teilungen „erbeuteten“ polnischen Landeskindern Ulanenregimenter rekrutiert. Preußen stellte auch eine regulĂ€re Ulaneneinheit auf, das Regiment Towarczys. Andere LĂ€nder wie Großbritannien folgten dem Beispiel erst nach dem Ende der napoleonischen Kriege und stellten gleichfalls Ulanen-VerbĂ€nde auf. Die Kategorisierung dieser Einheiten war unterschiedlich: Österreicher und Russen setzten sie v. a. als leichte Reiterei ein, die Franzosen und Preußen hingegen mehr als Schlachtenkavallerie.

In Deutschland verordnete Kaiser Wilhelm II. 1888 der gesamten Kavallerie die Lanze, so dass bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges die deutsche Reiterei faktisch aus Ulanen bestand, wenn auch die anderen Kavalleriegattungen ihre angestammten Bezeichnungen und Uniformen behielten. Im Stellungskrieg stellte sich jedoch die Nutzlosigkeit der Lanzen fĂŒr die moderne KriegsfĂŒhrung heraus. Lediglich das wiedererstandene Polen gab die Lanzen nicht auf und stattete noch den Großteil seiner Reiterei neben SĂ€beln, Pistolen, Gewehren usw. damit aus. Beim Versuch, den Überfall auf Polen 1939 abzuwehren, griffen polnische Ulanen letztmals auch mit der Lanze an.

Die Uniform der Ulanen orientierte sich international oft an der polnischen Krakauer Nationaltracht, insbesondere an der charakteristischen MĂŒtze mit dem viereckigen Oberteil (Rogatywka), die in ihrer militĂ€rischen Form Tschapka genannt wurde. Auch ein breiter Stoffbesatz auf der Brust (Plastron) der Uniformjacke (Kurtka bzw. Ulanka) war typisch fĂŒr die Ulanen aller LĂ€nder. Neben der Lanze, dem SĂ€bel und den Pistolen waren sie seit etwa 1800 hĂ€ufig auch mit einem Karabiner bewaffnet.

Die Kosaken, ursprĂŒnglich Wehrbauern in der russischen Steppe, stellten ab dem spĂ€ten 16. Jahrhundert die grĂ¶ĂŸte europĂ€ische Kavallerie-Streitmacht dar und galten im 19. Jahrhundert als die effektivste leichte Reiterei. In den Befreiungskriegen stellten Polen und Preußen eigene KosakenverbĂ€nde auf, denen jedoch der soziale und kulturelle Hintergrund der „echten“ Kosaken fehlte. Im Zarenreich wurden die Kosaken oft zur BekĂ€mpfung innerer Unruhen eingesetzt und erwarben sich bei organisierten Übergriffen auf die jĂŒdische Bevölkerung (Pogrome) einen zweifelhaften Ruf. Im Russischen BĂŒrgerkrieg kĂ€mpften die Kosaken ĂŒberwiegend auf Seiten der Revolutionsgegner, da sie den Sozialismus als Bedrohung ihrer Privilegien und Lebensart betrachteten. Die Kosakeneinheiten der Roten Armee knĂŒpften militĂ€risch und optisch an die Tradition der zaristischen Kosaken an, ohne dass sie deren gesellschaftliche Strukturen ĂŒbernahmen. Im Zweiten Weltkrieg ließen sich insbesondere Mitglieder von frĂŒher zaristischen Kosakenfamilien von Deutschland zur Kollaboration anwerben. Hinsichtlich der Kleidung konnte sich bei den Kosaken erst Ende des 18. Jahrhunderts eine Uniformierung durchsetzen, die dennoch der russischen Nationaltracht (weiter Kaftan und Pluderhosen) verbunden blieb. Im spĂ€ten 19. Jahrhundert nĂ€herte sich die Bekleidung der ĂŒblichen Uniformierung. Weite Reithosen und PelzmĂŒtzen blieben jedoch bis zum Schluss charakteristisch.

KĂŒrassiere und schwere Kavallerie

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KĂŒrassiere

Die KĂŒrassiere entstanden in den 1540er Jahren und wendeten zunĂ€chst fast nur die Taktik Caracolla an. Als schwere Reiterei bildeten sie Angriffspitzen. Bis in das 17. Jahrhundert hinein trugen die meisten KĂŒrassiere einen Trabharnisch, spĂ€ter den KĂŒrass. Bewaffnet waren sie mit Pistolen (spĂ€ter oft auch einem Karabiner) sowie einem Pallasch, der im Laufe der Zeit zur Hauptwaffe wurde. In manchen europĂ€ischen Heeren bestanden bis in den Ersten Weltkrieg hinein KĂŒrassier-Regimenter.

Die Karabiniers entstanden in Frankreich im 17. Jahrhundert als Elitekompanien der schweren Kavallerie und waren mit einem Karabiner ausgerĂŒstet, wovon sich der Name auch herleitet. In Frankreich 1693 zu einem Regiment zusammengefasst, leisteten sie bis 1809 gleich den Dragonern auch Dienst zu Fuß, erhielten dann aber den VollkĂŒrass und waren dann ausschließlich schwere Kavallerie, eine Rolle, die sie in England und Österreich stets innehatten. In Italien entwickelten sich aus ihnen die spĂ€ter primĂ€r mit zivilpolizeilichen Aufgaben betrauten Carabinieri.

Als Kavallerie im engeren Sinne verstand man bis ĂŒber die Mitte des 18. Jahrhunderts allgemein nur die schwere Kavallerie, die man manchmal auch als Linien- oder Schlachtenkavallerie bezeichnete. Ihre VerbĂ€nde fĂŒhrten meist noch den Namen „Regiment zu Pferd“. In Großbritannien wurden die „Regiments of Horse“ (mit Ausnahme der Horse Guards) aus KostengrĂŒnden in Dragoon Guards umbenannt, ohne dass sich an AusrĂŒstung oder Auftrag etwas Ă€nderte. Meist war die schwere Kavallerie wie die KĂŒrassiere ausgestattet, jedoch verschwand im Lauf des Jahrhunderts vielerorts der KĂŒrass ganz oder wurde nur mehr als HalbkĂŒraß getragen. Erst als in Frankreich 1803 die gesamte schwere Kavallerie den VollkĂŒrass erhielt, wurde dieser wieder in weiten Teilen Europas populĂ€r und hielt sich teilweise bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges.

Dragoner

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Dragoner

Die Dragoner bildeten seit dem 16. Jahrhundert als berittene Infanterie eine neue Gattung der berittenen Truppen, die zum Kampf absaß. Obwohl sie bereits im 17. Jahrhundert auch das Gefecht zu Pferde fĂŒhrten, erhielten sie in den meisten Armeen erst im 18. Jahrhundert offiziell den prestigetrĂ€chtigen Status echter Kavallerie. Die Bezeichnung Dragoner wurde wahrscheinlich nach dem französischen dragon benannt, einer Handfeuerwaffe zwischen kleinem Karabiner und Pistole. Die Arkebusierreiter bestanden bis ins frĂŒhe 17. Jahrhundert als Sonderform und leiteten ihren Namen von Arkebuse her. Dieses Radschlossgewehr war kĂŒrzer und leichter als die Muskete. Wie bei der Infanterie verschwand die Passivbewaffnung (Helm und Harnisch) im Verlauf des 17. Jahrhunderts weitgehend. Blankwaffen ergĂ€nzten die Bewaffnung. Bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts wandelten sich die Dragoner fast ĂŒberall zu echter Kavallerie. Frankreich setzte 1809 die Dragoner wieder als Infanterie ein, diese abgesessenen Dragoner mussten aber ihre Pferde an andere KavallerieverbĂ€nde abgeben und waren somit keine echte Reiterei mehr. Je mehr die Dragoner echte Reiterei wurden, desto mehr verdrĂ€ngte der Karabiner die Muskete. Hinzu kamen Pistolen und Pallasch oder Degen. Die im spĂ€teren 18. Jahrhundert (z. B. in Großbritannien, Hessen-Kassel und Hannover) aufkommenden leichten Dragoner, hatten Ă€hnliche Aufgaben wie die Husaren und waren wie diese mit einem SĂ€bel als Blankwaffe ausgestattet. Die Uniformierung der Dragoner folgte hĂ€ufig dem Vorbild der Infanterie, jedoch mit kavallerietypischen Abweichungen wie z. B. Reitstiefel und -hosen. Im 19. Jahrhundert waren Helme weit verbreitet. Die fĂŒr den Kolonialdienst aufgestellten KavallerieverbĂ€nde wurden oft nach Art der ursprĂŒnglichen Dragoner als berittene Infanterie verwendet.

Husaren und leichte Kavallerie

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Chevauleger

Ende des 15. Jahrhunderts bezeichnete man in Frankreich leicht gerĂŒstete Lanzenreiter als Chevaulegers (franz.: „leichte Pferde“). Von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges verwendete man diese Bezeichnung in Teilen des deutschsprachigen Raumes (insbesondere in Bayern und Österreich) fĂŒr Reiter, die Ă€ußerlich den Dragonern Ă€hnelten, aber wie Husaren eingesetzt wurden. Im napoleonischen Frankreich wurde die Bezeichnung chevauleger fĂŒr Ulanen verwendet. Anfangs besaßen die Chevaulegers einen leichten Pallasch, spĂ€ter einen SĂ€bel und Karabiner. In der Bayerischen Armee erhielten sie um 1890 wie die gesamte Kavallerie zusĂ€tzlich Lanzen.

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Husaren

Die Husaren waren zuerst ungarische FreischĂ€rler, wurden aber seit dem 18. Jahrhundert auch als regulĂ€re Truppen aufgestellt, ohne ihren Charakter als leichte Reiterei fĂŒr AufklĂ€rungs- und Sicherungsaufgaben zu verlieren. Die Husarengattung wurde schnell von allen europĂ€ischen GroßmĂ€chten ĂŒbernommen. Die Uniform der Husaren im 18. und 19. Jahrhundert orientierte sich an der ungarischen Nationaltracht. Charakteristisch hierfĂŒr waren eine Zier-VerschnĂŒrung auf der Brust der Uniformjacke und eine ĂŒber die Schulter gehĂ€ngte weitere verschnĂŒrte Jacke mit Pelzbesatz. Als Kopfbedeckung diente hĂ€ufig eine flache Pelz- bzw. FlĂŒgelmĂŒtze oder auch ein Tschako. Die Bewaffnung bestand aus einem SĂ€bel und Pistolen, letztere wurden etwa ab 1800 durch Karabiner ergĂ€nzt und letztlich verdrĂ€ngt. In Deutschland erhielten die Husaren um 1890 wie die gesamte Kavallerie zusĂ€tzlich Lanzen.

Die Kroatischen Reiter waren den Husaren Ă€hnlich und nahmen als Söldner der Katholischen Liga am DreißigjĂ€hrigen Krieg teil. Eine weitere Sonderform waren die im 16. Jahrhundert in Polen aus der leichten Reiterei entstandene Hussaria (aufgrund des aufwĂ€ndigen Federschmucks auch FlĂŒgel-Husaren genannt), bei der es sich aber um schwer gepanzerte Lanzenreiter handelte.

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JĂ€ger zu Pferde

Die JĂ€ger zu Pferde traten Ende des 18. Jahrhunderts in Erscheinung, als einige europĂ€ische Staaten (insbesondere Frankreich) den Bedarf nach einer regulĂ€ren leichten Reiterei erkannten, jedoch die Kosten fĂŒr die Aufstellung aufwĂ€ndig uniformierter HusarenverbĂ€nde scheuten. Wie diese dienten sie primĂ€r fĂŒr AufklĂ€rungs- und Sicherungsaufgaben, wurden aber auch zunehmend als Schlachtenkavallerie eingesetzt. Die Uniform orientierte sich oft an der der Husaren, war aber in der Regel weniger aufwĂ€ndig. Erst ab 1901 stellte man in Preußen JĂ€ger zu Pferde auf, jedoch Ă€hnelte hier die Uniformierung der der KĂŒrassiere. Die Bewaffnung bestand aus einem SĂ€bel und Karabiner. In Preußen fĂŒhrten die JĂ€ger zu Pferde zusĂ€tzlich Lanzen.

Kavallerie nach 1918

Nachdem die Wirkungen von moderner Artillerie sowie von Mehrlader- und Maschinengewehren den Einsatz der Kavallerie in ihrer klassischen Rolle unmöglich machten, wurden Kavalleristen wieder zunehmend in der Rolle der ursprĂŒnglichen Dragoner als berittene und damit sehr mobile Infanterie eingesetzt. Mit dem Aufkommen zuverlĂ€ssiger gelĂ€ndegĂ€ngiger Kraftfahrzeuge jedoch wurde das Pferd als Fortbewegungsmittel zunehmend ĂŒberflĂŒssig, auch wenn man aus Materialmangel oder aus Traditionsbewusstsein noch bis in den Zweiten Weltkrieg hinein auf Pferde zurĂŒckgriff. Die Individualbewaffnung der Soldaten umfasste zunehmend auch automatische Waffen, selbst wenn daneben wie bei den Kosaken noch Blankwaffen verwendet wurden.

Schon die erste Kavallerieattacke des Zweiten Weltkrieges galt als symptomatisch fĂŒr die generelle Position der Kavallerie in diesem Krieg: Polnische Ulanen schlugen am 1. September 1939 bei Krojanty mit dem SĂ€bel ein deutsches Infanterie-Bataillon in die Flucht, als sie von nachrĂŒckenden deutschen Panzerfahrzeugen ĂŒberrascht wurden. Eines der letzten Kavalleriegefechte der Kriegsgeschichte schlugen am 23. September 1939 polnische Ulanen und deutsche Kavallerie bei KrasnobrĂłd mit SĂ€beln, die deutschen Reiter mussten sich zurĂŒckziehen. Jedoch gerieten bei ihrer Verfolgung die polnischen Ulanen ins Schussfeld deutscher MG-Stellungen.

Eine gewisse Rolle spielten KavallerieverbĂ€nde der Roten Armee unter den GenerĂ€len Below, Sokolow und Dowator ab der Gegenoffensive vor Moskau 1941/42. So fiel z. B. am 19. Dezember 1941 das II. Garde-Kavallerie-Korps unter General Dowator bei einem Vorstoß ĂŒber die zugefrorene Moskwa zusammen mit Skikampfgruppen der 267. Infanterie-Division in die Flanke und zwang mit diesem Durchbruch das gesamte IX. Armeekorps zum RĂŒckzug hinter die Rusa. Unter dem Eindruck solcher Erfolge begann ab 1943 unter FederfĂŒhrung Georg von Boeselagers noch einmal eine gewisse Reorganisation der deutschen Heereskavallerie.

Nach 1945 wurden Kavallerieeinheiten nur mehr in wenigen Staaten fĂŒr den Felddienst verwendet, insbesondere fĂŒr den Einsatz in mit Kraftfahrzeugen unzugĂ€nglichem Gebiet. Als 1972 die Schweizer Armee ihre letzten 18 Dragoner-Schwadronen auflöste, endete damit die letzte echte Kavallerie in Europa. Nur die Sowjetarmee unterhielt danach noch einige Zeit berittene GroßverbĂ€nde – allerdings waren deren kavalleristischen FĂ€higkeiten nicht mehr fĂŒr den Kampfeinsatz bestimmt, sondern fĂŒr die Komparserie der sowjetischen Filmwirtschaft, die sie nicht nur fĂŒr Eigenproduktionen wie Krieg und Frieden nutzte, sondern gegen Devisen auch bei internationalen Projekten wie zum Beispiel Waterloo zum Einsatz brachte.

Nur sehr wenige Staaten (z. B. Großbritannien, Argentinien, Polen, Frankreich, DĂ€nemark und Schweden) unterhalten heute noch fĂŒr ReprĂ€sentationszwecke zahlenmĂ€ĂŸig kleine berittene Truppenteile. In einigen Staaten behielten die ursprĂŒnglichen Kavallerieeinheiten ihre Bezeichnungen, wurden aber mit modernen Fahrzeugen ausgestattet. Heute gibt es beispielsweise in Großbritannien noch zwei Ulanen-Regimenter (Lancer). Beide VerbĂ€nde sind heute mit leichten Panzern ausgestattet und fungieren als AufklĂ€rungseinheiten. In den USA entstand im Vietnamkrieg aus der 1. US-Kavalleriedivision vorĂŒbergehend eine Luftbewegliche Infanterie.

GrundsĂ€tzlich hat die Kavallerie heute weder in ihrer klassischen Rolle als zu Pferd kĂ€mpfende Truppe noch als berittene Infanterie eine praktische Bedeutung. Im Einsatz werden Reittiere nur mehr in sehr geringem Umfang fĂŒr AufklĂ€rungszwecke oder den Patrouillendienst in schwierigem, stark durchschnittenem und stark bedecktem GelĂ€nde verwendet, so z. B. vereinzelt bei der Tragetiertruppe der Bundeswehr, jedoch nicht mehr fĂŒr den Angriff. In der chilenischen Armee ist das zur Gebirgstruppe zĂ€hlende Gepanzerte Kavallerie-Regiment Nr. 3 (HĂșsares del General don JosĂ© Miguel Carrera y Verdugo) beritten und dient als AufklĂ€rungseinheit.

Gliederung

Die taktische Einheit der Kavallerie waren die Eskadron (Schwadron) bzw. der Troop, meist bildeten vier bis sechs Eskadrons ein Regiment. In einigen Staaten war die Eskadron auch noch in zwei Kompanien in ZugstÀrke unterteilt. Die weitere Gliederung der höheren VerbÀnde war in den einzelnen Heeren sowie in der Friedens- und Kriegsformation unterschiedlich.

Kavallerie in einzelnen LĂ€ndern

Deutschland

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Liste der Kavallerieregimenter der altpreußischen Armee

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Liste der Kavallerieregimenter der neupreußischen Armee

Im Deutschen Kaiserreich war im Frieden die aus zwei oder mehr Regimentern bestehende Brigade der grĂ¶ĂŸte rein kavalleristische Truppenteil, der mit je zwei Infanteriebrigaden einem einheitlichen Divisionskommando unterstellt war. Nur das Gardekorps hatte im Frieden, abgesehen von den jĂ€hrlichen Manövern, eine Kavalleriedivision. Daneben bestand eine General-Inspektion der Kavallerie mit vier Kavallerieinspektionen und eine Kavalleriekommission. Die Ausbildung der Kavalleristen fand in der MilitĂ€rreitschule (Kavallerieunteroffizierschule) sowie in der Kavallerietelegraphenschule statt. Im Ersten Weltkrieg wurde ein großer Teil der Kavallerie zu selbstĂ€ndigen Kavalleriedivisionen, teilweise auch zu Höheren Kavallerie-Kommandos, zusammengestellt, wĂ€hrend der Rest als Divisionskavallerie den Infanteriedivisionen zugeteilt wurde.

In der Reichswehr gab es, bedingt durch die Bedingungen des Friedensvertrages von Versailles,cite-ref-5[5] wieder drei reine Kavallerie-Divisionen mit jeweils sechs Reiter-Regimentern. ZusĂ€tzlich hatten die sieben Infanterie-Divisionen jeweils eine berittene Eskadron als AufklĂ€rungsorgan. Statt der Lanze wurde die Kavallerie ab 1927 mit dem Karabiner 98 b und leichten Maschinengewehren ausgerĂŒstet.cite-ref-6[6]

Die Wehrmacht fĂŒhrte die im Jahr 1934 beschlossene Auflösung der drei bestehenden Kavallerie-Divisionen fort.cite-ref-7[7] Aus den Reiter-Regimentern 1 und 2 in Ostpreußen entstand die 1. Kavallerie-Brigade. Die 13 Infanterie-Korps verfĂŒgten zusĂ€tzlich ĂŒber je ein Kavallerieregiment, aus denen beim Überfall auf Polen im September 1939 AufklĂ€rungs-Abteilungen der Infanterie-Divisionen und Reiter-ZĂŒge der Infanterie-Regimenter gebildet wurden. Im Oktober 1939 fĂŒhrte eine Umgliederung die 1. Kavallerie-Brigade mit den berittenen Teilen der AufklĂ€rungsabteilungen von elf Infanteriedivisionen in die 1. Kavallerie-Division mit ca. 17.000 Pferden zusammen.cite-ref-8[8] Diese Division wurde im Jahr 1941 im Krieg gegen die Sowjetunion der Panzergruppe 2 unter Heinz Guderian unterstellt und im Winter 1941/1942 in die 24. Panzer-Division umgegliedert.

Im Bereich der Heeresgruppe Mitte entstand 1943 aus den Reiter-Schwadronen der AufklĂ€rungs-Abteilungen 6, 34, 35 und 102 der „Reiterverband Boeselager“, nach dessen erfolgreichem Einsatz noch 1943 bei den Heeresgruppen im Osten die Kavallerie-Regimenter „Mitte“, „Nord“ und „SĂŒd“ aufgestellt wurden. Diese Regimenter kamen eher als berittene Infanterie, weniger zur AufklĂ€rung zum Einsatz. Aus den Regimentern wurden 1944 die Kavallerie-Brigaden 3 und 4 gebildet. Zusammen mit dem 1. ungarischen Kavallerie-Regiment bildeten sie das I. (Heeres-)Kavallerie-Korps. Im Februar 1945 wurden die Brigaden in Divisionen umbenannt. Zuvor wurde schon im Jahr 1941 die erste freiwilligen Kosaken (Kavallerie)-Abteilung aufgestellt, durch weitere Aufstellung von Kosaken-VerbĂ€nden entstand daraus 1943 die 1. Kosaken-Kavallerie-Division.

In der Waffen-SS gab es seit 1941 eine Kavallerie-Brigade, die im FrĂŒhjahr 1942 zur 8. SS-Kavallerie-Division „Florian Geyer“ erweitert wurde. Anfang 1944 entstand mit der 22. SS-Freiwilligen-Kavallerie-Division „Maria Theresia“ eine weitere; beide Reiter-Divisionen gingen im Kessel von Budapest unter. Aus Ausbildungseinheiten, Rekonvaleszenten und Fronturlaubern wurde nachmalig noch die 37. SS-Freiwilligen-Kavallerie-Division „LĂŒtzow“ aufgestellt, die jedoch nicht mehr die vollstĂ€ndige StĂ€rke erreichte.
Daneben gab es noch das XV. SS-Kosaken-Kavallerie-Korps – mit zwei Kosaken-Kavallerie-Divisionen und einer Kosaken-Infanterie-Brigade (spĂ€ter -Division) – das aus der Kosaken-Division des Heeres gebildet wurde.

Großbritannien

Neben der Garde aus den zwei Regimentern (der Life Guards (bis 1922 1st und 2nd Life Guards) und der Royal Horse Guards) bestand die britische Kavallerie bis zum Ersten Weltkrieg aus

‱ 7 Regimentern Dragoon Guards (einer schweren Linienkavallerie, die aber im 18. Jahrhundert zur Soldminderung in Dragoner umbenannt und zum Ausgleich mit dem Garde-Titel belohnt wurde, ohne jedoch zur Household Cavalry zu zĂ€hlen; 1st, 2nd, 3rd, 4th, 5th, 6th und 7th Dragoon Guards)
‱ 21 durchgĂ€ngig nummerierten Linien-Regimentern, mit drei Dragoner- (1st, 2nd und 6th Dragoons), zwölf Husaren- (3rd, 4th, 7th, 8th, 10th, 11th, 13th, 14th, 15th, 18th, 19th und 20th Hussars) und fĂŒnf Ulanen-Regimentern (5th, 9th, 12th, 16th, 17th und 21st Lancers).

Die leichten Dragoner waren im Verlauf des 19. Jahrhunderts allesamt zu Husaren oder Ulanen umgewandelt oder (22nd bis 33rd Regiment of Light Dragoons) aufgelöst worden. Ein Regiment aus zwei Husaren-Regimentern erhielt jedoch 2015 wieder den Traditionsnamen „Light Dragoons“.

Besondere Bekanntheit erlangte die aufgrund fehlerhafter BefehlsĂŒbermittlung gescheiterte Attacke der Leichten Brigade im Krimkrieg und die Attacke der 21st Lancers in der Schlacht von Omdurman, an der auch Winston Churchill als junger Leutnant teilnahm.

1921/22 sank die Zahl der Regimenter durch Verschmelzungen von 31 auf 22. Aufgrund mehrerer HeeresstrukturÀnderungen (zuletzt 2015) folgten weitere Verschmelzungen, so dass heute neben Household Cavalry bzw. dem Household Cavalry Mounted Regiment nur mehr sieben Regimenter in BataillonsstÀrke als Panzer-Regimenter, PanzeraufklÀrungsregimenter und Panzergrenadiere existieren, die zusammen mit dem Royal Tank Regiment das Royal Armoured Corps bilden:


Die SollstÀrke aller britischen Regimenter liegt bis heute deutlich unter der von kontinentaleuropÀischen VerbÀnden.

Die ursprĂŒnglich aristokratisch geprĂ€gte Yeomanry stellte die Landwehrreiterei. Sie bildet heute vier Regimenter sowie mehrere andere Truppenteile, die aber nicht mehr alle zur Kavallerie zĂ€hlen.

Österreich

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K.u.k. Dragoner

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K.u.k. Husaren

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K.u.k. Ulanen

1914 umfasste die Gemeinsame Armee Österreich-Ungarns

‱ 15 Regimenter Dragoner
‱ 11 Regimenter Ulanen
‱ 16 Regimenter Husaren

Jedes Regiment bestand aus zwei als Division bezeichneten Bataillonen zu drei Eskadronen mit zusammen knapp 1100 Mann SollstĂ€rke einschließlich des Ersatzkaders. (Die Division im Sinne eines Großverbandes wurde Kavallerie-Truppendivision genannt.)

Russland

In Russland war die Kavallerie fast durchweg in Divisionen aufgeteilt, zum Ende des 19. Jahrhunderts stellte man auch zwei Kavalleriekorps auf.

Es gab in der GrĂŒndungsphase der Roten Armee zeitweise wenigstens zwei Kavallerie-Armeen, von denen Marschall Budjonny die erste im Russischen BĂŒrgerkrieg gegen den weißgardistischen General Denikin befehligte.

Im Zweiten Weltkrieg stellte die Sowjetunion 95 Kavallerie-Divisionen und 17 Garde-Kavallerie-Divisionen ins Feld. In der Nachkriegszeit wurden die Truppen, soweit nicht aufgelöst, meist mechanisiert und entsprechend umbenannt. Einige Truppenteile wurden noch bis in die 1970er Jahre als Komparserie fĂŒr Historienfilme beritten gehalten.cite-ref-9[9] Diese fĂŒhrten nach den Abordnungen der SpezialkrĂ€fte frĂŒher immer die Oktoberparade in Moskau an.

Unter Wladimir Putin wurde wieder eine Kavallerie-Einheit als Teil der PrÀsidentengarde aufgestellt, die sich in ihrem Erscheinungsbild am Garde-Dragoner-Regiment der Zaren orientiert.cite-ref-10[10]

Schweiz

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Kavallerie (Schweiz)

Die Schweizer Kavallerie (Dragoner) wurde als letzte der europĂ€ischen Armeen 1972 abgeschafft.cite-ref-11[11] Nach der Rekrutenschule kauften die Dragoner ihr Pferd, den Eidgenoss, zu einem ermĂ€ĂŸigten Preis von der Armee und rĂŒckten damit in die jĂ€hrlichen Wiederholungskurse ein. Diese Regelung war insbesondere fĂŒr Ackerbauern attraktiv. In lĂ€ndlichen Gebieten war der Eidgenoss fĂŒr viele Schweizer ein Symbol des Milizsystems und der Verbundenheit von Heimat und Armee.

USA

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US-Kavallerie

Im Amerikanischen UnabhÀngigkeitskrieg wurden vier schwache Regimenter Leichte Dragoner aufgestellt und bei Kriegsende aufgelöst. Kurz vor Ausbruch des Krieges von 1812 wurden zwei Regimenter Dragoner aufgestellt, denen in den 1830er Jahren zwei Regimenter Kavallerie und 1846 eines der JÀger zu Pferde hinzu kamen.

Bei Ausbruch des Sezessionskrieges wurden alle Regimenter in Kavallerie umbenannt und ihre Zahl auf zwölf vermehrt. Hinzu kamen zahlreiche weitere von der Union und den darin verbliebenen Staaten aufgestellte Regimenter, so dass bei Kriegsende ĂŒber 250 Staats- und Bundes-Regimenter im Feld standen, wĂ€hrend die SĂŒdstaaten nur ĂŒber rund 170 Regimenter verfĂŒgten. Im Verlauf des Krieges kĂ€mpfte insbesondere die Nordstaaten-Kavallerie meist abgesessen als SchĂŒtzen und nahm damit die Entwicklung im Ersten Weltkrieg vorweg. Das Pferd diente diesen Kavallerieregimentern nur noch als schnelles Transportmittel. So besetzte und verteidigte zu Beginn der Schlacht von Gettysburg John Bufords Kavallerie eine wichtige Anhöhe, was erheblich zum Sieg der Union beitrug. Bei Kriegsende wurde die Zahl der Bundes-Regimenter auf zwölf reduziert. Sie spielten bei der Landnahme im Wilden Westen eine SchlĂŒsselrolle (z. B. in der Schlacht am Little Bighorn) und wurden somit ein Teil des GrĂŒndungsmythos der USA.

Im Ersten Weltkrieg 1917 war im Rahmen des Stellungskrieges ein kavalleristischer Einsatz nicht mehr möglich. Bei der Verteidigung der Philippinen 1942 gegen die japanischen Invasoren ritt das 26. Kavallerie-Regiment die letzte Attacke der US-MilitĂ€rgeschichte, der Großteil der US-Kavallerie war zu diesem Zeitpunkt aber bereits mechanisiert. Im Zweiten Weltkrieg kĂ€mpfte die Kavallerie auf allen KriegsschauplĂ€tzen meist als Teil der Panzertruppe.

Im Vietnamkrieg wurde die 1. Kavallerie-Division als mit Hubschraubern ausgerĂŒstete Luftlandetruppe eingesetzt, jedoch 1975 wieder zu einer Panzerdivision umgewandelt. Zusammen mit drei unabhĂ€ngigen Regimentern fĂŒhrt sie bis heute die Kavallerietradition auch im Verbandsnamen fort.

Siehe auch

‱ Kategorie:Kavallerieverband
‱ Train
‱ Cavalleria

Literatur

‱ GĂŒnter Dorn, Joachim Engelmann: Die Kavallerie-Regimenter Friedrich des Großen 1756–1763. Nebel Verlag, 2000, ISBN 3-89555-301-8.
‱ Friedrich Engels: Kavallerie. In: Karl Marx, Friedrich Engels – Werke. Band 14, Dietz Verlag, Berlin 1961, S. 286–314.
‱ Karlheinz Gless: Das Pferd im MilitĂ€rwesen. MilitĂ€rverlag der DDR, Berlin 1980.
‱ Dietmar KĂŒgler: Die U.S.-Kavallerie Legende und Wirklichkeit einer militĂ€rischen Eliteeinheit. Motorbuch Verlag, 1979, ISBN 3-87943-626-6.
‱ Georg Nagyrevi v. Neppel: Husaren in der Weltgeschichte. Verlag Emil Vollmer, Wiesbaden 1975.
‱ Janusz PiekaƂkiewicz: Pferd und Reiter im Zweiten Weltkrieg. Herbig 1998, ISBN 3-7766-1756-X.
‱ Klaus C. Richter: Zur Geschichte der deutschen Kavallerie. In: Cord Schwier (Hrsg.): „
und die AufklĂ€rer sind immer dabei
“. 2. Auflage. Verlag Vrage, Munster 2005, ISBN 3-00-013145-0, S. 15–54.
‱ Klaus Christian Richter: Kavallerie der Wehrmacht. Nebel Verlag, 2000, ISBN 3-89555-310-7.
‱ Klaus Christian Richter: Geschichte der deutschen Kavallerie 1919–1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-87943-892-7.
‱ Herve de Weck: Illustrierte Geschichte der Kavallerie. Verlag Huber Frauenfeld, Stuttgart 1982, ISBN 3-7193-0762-X.
‱ Alfred Satter: Die deutsche Kavallerie im ersten Weltkrieg. Fachbuch zur Neueren Geschichte. Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-1564-9.
‱ Stefan Papp jr.: Mit Karabiner und SĂ€bel: Das Kavalleriekorps der Potomac-Armee im US-BĂŒrgerkrieg. 2 BĂ€nde. Wyk auf Föhr 1995, ISBN 3-89510-030-7.

Weblinks

Commons

: Cavalry

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: Kavallerie

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wiktionary: Reiterheer

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ www.preussenweb.de – Umfangreiche Informationen zur Kavallerie der preußischen Armee
‱ www.kuerassierregimenter.de – Aufstellung, AusrĂŒstung und Geschichte der zehn preußischen KĂŒrassierregimenter
‱ Society of the Military Horse

Anmerkungen

cite-note-11. ↑ Klaus C. Richter: Zur Geschichte der deutschen Kavallerie. In: Cord Schwier (Hrsg.): "
und die AufklĂ€rer sind immer dabei
" 2. Auflage. Vrage, Munster 2005, ISBN 3-00-013145-0, S. 15.
cite-note-22. ↑ Michael Mitterauer: Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs. MĂŒnchen 2004, S. 113 ff.
cite-note-33. ↑ Zuletzt geregelt in: Die Tradition der Bundeswehr. Richtlinien zum TraditionsverstĂ€ndnis und zur Traditionspflege (PDF; 217 kB), Traditionserlass der Bundesministerin der Verteidigung [Ursula von der Leyen] vom 28. MĂ€rz 2018, dort insbesondere die Punkte 2.3, 3.4.1 und 4.9.
cite-note-44. ↑ Peter Mitchell: Horse Nations. The Worldwide Impact of the Horse on Indigenous Societies Post-1492. Oxford University Press, 2015, S. 284.
cite-note-55. ↑ Die dort festgelegten 18 Kavallerie-Regimenter gegenĂŒber nur 21 Infanterie- und 7 Artillerie-Regimentern sollte die Kampfkraft der Reichswehr gering halten.
cite-note-66. ↑ vgl. Klaus C. Richter: Zur Geschichte der deutschen Kavallerie. In: Cord Schwier (Hrsg.): „
und die AufklĂ€rer sind immer dabei
“. 2. Auflage. Vrage, Munster 2005, ISBN 3-00-013145-0, S. 49.
cite-note-77. ↑ Am 1. Oktober 1934 wurde die 3. Kavallerie-Division in eine „leichte Division“ umgegliedert, am 15. Oktober 1935 aus Teilen dieser Division die 1. Panzerdivision gebildet.
cite-note-88. ↑ vgl. auch deren Gliederung (Memento vom 29. Dezember 2011 im Internet Archive) mit Stand vom 10. Mai 1940.
cite-note-99. ↑ RedSamurai84: Soviet October Revolution Parade, 1967 ПараЮ 7 ĐĐŸŃĐ±Ń€Ń auf YouTube, 13. Mai 2016, abgerufen am 24. Februar 2024 (deutsch; Laufzeit: 92:54 min).
cite-note-1010. ↑ Eintrag zur russischen PrĂ€sidentengarde auf golabalsecurity.org
cite-note-1111. ↑ Marc Tribelhorn: Schweizer Kavallerie: Die letzte Reiterschlacht Europas In: Neue ZĂŒrcher Zeitung vom 27. Februar 2017